Entzündung der Gesäßfalte durch eingewachsene Haare

Steißbeinfistel Ursache, Entstehung und Formen

Steißbeinfistel Ursache und Entstehung

Anfangsstadium des Sinus pilonidalis

Entstehung, Risikofaktoren und Verlaufsformen

Die meisten Menschen werden dieser Diagnose wohl erst begegnen, wenn sie selbst oder ein Angehöriger betroffen ist. Eine unscheinbare kleine Öffnung in der Pofalte (der Pit) ist häufig das erste Anzeichen. Über dieses Loch gelangten Haare in die Unterhaut (Subkutis). Steißbeinfistel: Manchmal sind mehrere dieser Öffnungen zu beobachten, die alle in dieselbe Fistelhöhle führen und somit die Steißbeinfistel erkennbar machen. 

Haare bestehen aus Keratin. Der Körper ist zwar in der Lage, Keratin zu produzieren, jedoch nicht in der Lage, es abzubauen. Dies führt dazu, dass Haare als Fremdkörper im Körper behandelt werden. Experten sind sich einig, dass eingewachsene Haare die Ursache für Steißbeinfisteln sind.

Es bildet sich eine Hülle aus Narbengewebe, welche die Fistelkapsel bildet. Diese Kapsel verhindert eine Ausbreitung des chronisch entzündlichen Prozesses. Fachleute sprechen von einem Fremdkörpergranulom.

Kann eine Steißbeinfistel gefährlich werden? Keine Sorge, eine Fistel am Steißbein ist nie die Ursache für Fisteln am Darm, an Knochen oder am Rückenmark. Auch angeborene Fehlbildungen während der embryonalen Entwicklung sind nicht die Ursache für Steißbeinfisteln.

Akne inversa und Analfisteln können aufgrund ihres Erscheinungsbildes mit Steißbeinfisteln verwechselt werden. Rauchen ist oft die Ursache für Akne inversa, während eine Entzündung einer Proktodealdrüse die Ursache für Analfisteln ist.

Alles zu Steißbeinfistel Ursache und Entstehung

Schemazeichnung: Entstehung Steißbeinfistel

Steißbeinfistel Ursache und Entstehung im Schemabild erklärt
Schemazeichnung einer Steißbeinfistel (1 normale Haarwurzel, 2 erweiterte Haarwurzel mit abgebrochenen Haaren, 3 Entzündung durch eingespießte Haare, 4 großer Pit, 5 kleiner Pit, 6 sekundäre Fistelöffnung, 7 eingespießtes, loses Haar, 8 Fistelhöhle mit eingelagerten Haaren, 9 Granulationsgewebe). Die Stellen 1 und 7 entsprechen dem Anfangsstadium der Fistel
Woher kommen die Haare in der Steißbeinfistel?

Der "Pit" - Ursache des Sinus pilonidalis

In der Entfernung der Pits liegt der Schlüssel zur Heilung
Zahlreiche Pits - die Steißbeinfistel Ursache
Sinus pilonidalis mit zahlreichen Pits unterschiedlicher Größe

Lord bezeichnete die bei jeder Steißbeinfistel in der Mitte der Gesäßfalte zu findende Öffnungen bzw. Eintrittspforten als Pit. Sie werden auch Porus (lat. Durchgang, Tor) oder Primärfistel genannt. Sie verstecken sich gerne in der Tiefe der Falte. Am Vorhandensein von Pits erkennt man verläßlich die Steißbeinfistel.

Manche Patienten haben nur einzelne, andere eine Vielzahl dieser perlschnurartig aufgereihten Öffnungen. Die Entfernung der Pits ist die entscheidende Maßnahme zur Heilung der Steißbeinfistel.

Die Größe dieser Pits reicht von kaum sichtbaren, schwarzen Punkten bis zu einigen Millimeter großen Löchern. Manchmal stecken abgebrochene, lose Haare darin, aus manchen läßt sich wie bei einem Mitesser (Komedo) ein weißliches, pastöses Sekret ausdrücken.

Die Pits sind mit Haut ausgekleidet und können sich daher von selbst nicht mehr schließen. Sie werden zur Eintrittspforte von Bakterien und damit zur Ursache wiederkehrender Entzündung. Ardelt fand heraus, daß primär anaerobe und gramnegative Bakterien, bei Rezidiv zunehmend aerobe und grampositive Bakterien eine Rolle spielen.

So ist der ... Pilonidalsinus ungeachtet unterschiedlicher Ansichten ... ein infiziertes Fremdkörpergranulom.

BASCOM: Pits entstehen aus Haarwurzeln

Steißbeinfistel Entstehung Theorie I:Einspießen abgebrochener Haare
Häufigster Mechanismus der Entstehung ist sicher das Abbrechen und Einspießen der Haarfragmente in der Haarwurzel (Follikel)

“Im Gegensatz zu den gängigen Vorstellungen beruht die Entstehung der meisten Pilonidal- (fisteln) offenbar nicht auf (eingespießten) Haarschäften. Stattdessen scheinen die Haarfollikel die Quelle zu sein.” (Bascom 1980)

Im Mikroskop sah Bascom eine schrittweise Entwicklung von einer normalen Haarwurzel (Follikel) zum Pit. Er beschrieb Pits vom Frühstadium bis zum fortgeschrittenen Porus nebeneinander beim gleichen Patienten. Häufig waren alle Haare in einer Fistel gleich lang und wiesen ein terminales Ende auf. Abgebrochene Haare sowie Keratin- und Hautschuppen füllten die Haarwurzel aus.

Weiterhin konnten Sogkräfte beim Hinsetzen und Aufstehen gemessen werden (“the pit sucks”).

Stadien der Steißbeinfistel Entstehung: 1 Normal, 2 und 3 Steißbeinfistel Frühstadium, 4 - 6 Steißbeinfistel Entstehung
Entstehung des Pits aus einer Haarwurzel (neu gezeichnet nach Bascom, 1 normaler, 2 aufgeweiteter, 3 infizierter Follikel, 5 akuter, 6 chronischer Abszess, 7 Endstadium eines mit Haut ausgekleideten Gangs

KARYDAKIS: Pits entstehen durch Einspießen von losen Haaren

Steißbeinfistel Entstehung Theorie II:Einspießen loser Haare in die Gesäßfalte
Seltener können auch Haare vom Rücken oder Kopf sich in die Haut einspießen
Haar Ultrastruktur
Rillen und Widerhaken durch die Hornschuppen begünstigen das Eindringen eines Haares (Zeichnung nach elektronenmikroskopischem Präparat von DOLL et al.)

Pfeilspitzen und Widerhaken

Für Karydakis war die Sache klar. Die Pits entstehen nach seiner Überzeugung durch Einspießen von abgebrochenen Haaren. Rasterelektronenmikroskopische Untersuchungen von Dahl (1992) stützen die Theorie, dass sich gespaltene Haarfragmente mit nadelartigen, scharfen Enden in die intakte Haut bohren.

Die Schuppen aus Keratin wirken wie Widerhaken. Mit der ehemals der Wurzel zugewandten Seite voraus arbeitet sich das Haar immer tiefer in die Haut.

Page konnte 1969 experimentell beweisen, daß ein Haar beim Sitzen mit dem wurzelnahen Ende voran schon nach 30 min mehrere Zentimeter in eine minimale Öffnung eindringen kann. Die Struktur der Haarschuppen bedingt eine schraubenartige Verankerung. Demzufolge kann sich ein einmal eingespießtes Haar nicht mehr von selbst lösen.

Mit dem Mikroskop und einem Forensiker auf Spurensuche​

Neuere Untersuchungen von Doll und Bosche scheinen zumindest 20 – 30 % der Patienten diese Theorie zu stützen. Vor allem Haare aus dem Nackenbereich fanden sich häufig in der Fistel. Demnach wären häufige Friseurbesuche und Haarschnitte mit kurz rasierten Nackenhaaren ein Risikofaktor für eine Steißbeinfistel.

Wir finden vielleicht bei 10-20 % unserer Patienten lose Haare vom Nacken oder Rücken im Inneren des Fistelschlauchs. Bei jeder Vorstellung liegen lose Haare unterschiedlicher Länge in der Gesäßfalte. Auch ungewöhnliche Quellen der eingedrungenen Haare haben wir schon gesehen, so über 10 cm lange Locken (von der Freundin) bei einem jungen Mann mit Bürstenhaarschnitt und grau-schwarze kurze Haare (vom Schlittenhund) bei einer blonden Frau mit Langhaarfrisur.

Haarwachstum im Fistel-Tunnel?

Fehlbildung der Haarfollikel
Selten beobachtet man ein geordnetes Wachstum zarter Haare im inneren des Fistelgangs

In Einzelfällen findet man in einem aufgeschnittenen Fistelschlauch ein geordnetes, bürstenartiges Bild eines Rasens von zarten, kurzen Haaren. 

Diese Form habe ich in der medizinischen Literatur nicht beschrieben gefunden und habe auch selbst keine Erklärung für diese Erscheinungsform.